Neue Publikation: Sinnfragen in der psychosozialen Arbeit mit traumatisierten Menschen

Prof. Dr. Jürgen Beushausen widmet sich in einer neuen Publikation der Bedeutung von Sinnfragen bei der Verarbeitung traumatischer Erfahrungen.

Der Studiendekan des Masterstudiengangs „Psychosoziale Beratung in Sozialer Arbeit“ an der DIPLOMA Hochschule beleuchtet im systemagazin – dem Online-Journal für systemische Entwicklungen – insbesondere Sinnverlust sowie die Rolle von Spiritualität und Religiosität.

Traumatisierte Menschen sind häufig mit existenziellen Fragen konfrontiert: nach dem Sinn des Erlebten und des eigenen Lebens, nach Schuld und Gerechtigkeit oder nach dem eigenen Selbstverständnis als Opfer und Überlebende. Gleichzeitig spielen solche Themen in psychosozialer Beratung und Therapie bislang oftmals eine untergeordnete Rolle. Genau hier setzt Beushausen mit seinem Beitrag an.

Der Professor für Soziale Arbeit zeigt auf, welche Bedeutung individuelle Glaubenssätze, Werte sowie religiöse und spirituelle Bezüge für die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen haben können. Ein ausgeprägtes Sinnerleben steht mit Lebenszufriedenheit und Gesundheit in Zusammenhang. Umgekehrt können Sinnverlust, Verbitterung, Schuld- und Schamgefühle oder ein negatives Selbstkonzept die Folgen einer Traumatisierung zusätzlich verstärken.

Theoretisch greift Beushausen unter anderem auf Petzolds Modell der Identitätssäulen, Hartmut Rosas Resonanztheorie, Viktor Frankls Logotherapie, Michael Lindens Konzept der Posttraumatischen Verbitterungsstörung sowie Pauline Boss’ Arbeiten zum „uneindeutigen Verlust“ zurück. Diese Perspektiven verbindet er mit der Frage, wie Sinn, Werte, Religiosität und Spiritualität in psychosozialen Unterstützungsprozessen angemessen thematisiert werden können.

Neben der theoretischen Fundierung richtet sich die Publikation besonders an die Praxis. Vorgestellt werden unter anderem ein Leitfaden zur spirituellen Anamnese sowie Übungen zu Glaubenssätzen, Lebensrückblick, expressivem Schreiben, Metaphernarbeit, Schuldbewältigung und Externalisierung. Damit verbindet der Beitrag wissenschaftliche Ansätze mit konkreten Anregungen für Beratung, Therapie und Soziale Arbeit.

Beushausen plädiert dafür, Sinn- und Spiritualitätsfragen nicht länger nur am Rand psychosozialer Arbeit zu behandeln. Sein aktueller Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der psychosozialen Traumatologie; seit Oktober 2021 ist er als Professor und Studiendekan an der DIPLOMA Hochschule tätig.

 

Der vollständige Text findet sich auf der Seite des systemagazins unter diesen Link:
systemagazin