Die Auswirkungen von partizipationsbezogenem Handlungsbeobachtungstraining auf die Motivation und Gehfähigkeit von Schlaganfallpatienten und -patientinnen im subakuten Stadium

Annika Wronna, M.A.

Annika Wronna ist seit 2012 als Physiotherapeutin tätig und arbeitete sowohl in der orthopädischen als auch in der neurologischen Rehabilitation. Seit 2020 ist sie zudem Dozentin in ihrem Fachbereich. 

Das Thema Rehabilitation nach Schlaganfall beschäftigt sie bereits in ihrem 2019 abgeschlossenen Bachelorstudium. In diesem Rahmen wurde sie auf eine Studie von Bang et al. (2013) über den Einsatz von Handlungsbeobachtungstraining auf dem Laufband nach einem Schlaganfall aufmerksam, welche ihr Interesse an dieser Therapieform begründete.

Dieses Interesse hat im Frühjahr 2025 zu einer hervorragenden Master-Thesis geführt, welche im Anhang in ihrer Gänze zu finden ist.

Abstract

Hintergrund: Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Effekte eines kurzen Handlungsbeobachtungstrainings auf die Motivation und Gehfähigkeit subakuter Schlaganfallpatienten zu erfassen. Im Rahmen der Untersuchung wurde insbesondere analysiert, ob Unterschiede in der Wirksamkeit des Handlungsbeobachtungsvideos hinsichtlich partizipationsbezogener und funktionsbezogener Aspekte bestehen.

Methode: Im Rahmen einer Mixed-Method-Studie wurde ein Vergleich zwischen partizipationsbezogenem (P-)AOT (n=5) und laufbandbasiertem (L-)AOT (n=6) angestellt und an drei aufeinanderfolgenden Tagen in zwei randomisierten Gruppen durchgeführt. Beide Methoden wurden mit einer Bewegungsvorstellung kombiniert. Die Studie umfasste Patienten und Patientinnen im subakuten Stadium eines Schlaganfalls, die in einer spezialisierten Rehabilitationsklinik behandelt wurden. Die Gehfähigkeit wurde mit Hilfe des 6-MWT und des 10-MWT ermittelt. Die Motivation wurde anhand der SRMS erfasst und im Anschluss ein leitfadenbezogenes Interview durchgeführt, in dem die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zu ihren Erfahrungen mit den Videos befragt wurden. Beide Interventionen umfassten jeweils ein fünfminütiges AOT-Gangvideo, gefolgt von einem 20-minütigen Gehtraining. Dabei unterschieden sich die beiden Ansätze darin, dass das Partizipationsvideo Alltagssituationen zeigte, während das Laufbandvideo die Gangfunktion auf einem Laufband demonstrierte.

Ergebnisse: Es konnte eine signifikante Verbesserung der Gehfähigkeit bei den Probanden in beiden Gruppen beobachtet werden. Dies wurde anhand der Ergebnisse des 6MWT und des 10MWT nachgewiesen. (6MWT P-AOT p=0,037, L-AOT p=0,010;  10MWT P-AOT p=0,079, L-AOT p=0,054). Diese Ergebnisse wurden nach drei Tagen AOT-Training erzielt. Es konnte kein Video als überlegen identifiziert werden (10MWT p=0,721, 6MWT p=0,241). Die mit der SRMS erfasste Motivation zeigte in beiden Gruppen eine Veränderung, jedoch ohne signifikante Auswirkung. Es konnte ein Zusammenhang zwischen der Gehfähigkeit (6MWT) und der introjizierten extrinsischen Motivation in der P-AOT-Gruppe festgestellt werden (p = 0,005). Dies lässt den Schluss zu, dass diejenigen, die sich weniger Druck auferlegten, eine größere Verbesserung im Interventionszeitraum erreichten. In keiner der beiden Gruppen konnte eine signifikante Veränderung des inneren Drucks beobachtet werden. Als motivationsabhängige Einflussfaktoren konnten Handlungsrelevanz, vergleichende Selbstbewertung, Zielrichtung, Autonomie, persönliche Wahrnehmungen, Beurteilung der Videos sowie der Prozess der Selbstwahrnehmung identifiziert werden. Die Auswertung der P-AOT- Gruppe zeigte, dass ein größerer Anteil der Teilnehmer eine positive Anregung durch den Vergleich mit der laufenden Person beschreibt. In der L-AOT-Gruppe, in der der Fokus auf der Funktion lag, wurde ein Vergleich negativ bewertet, wobei die eigene Unfähigkeit im Vordergrund stand. Des Weiteren formulierten die Teilnehmer der P-AOT-Gruppe Ziele auf der Teilhabeebene im Vergleich zur Laufbandgruppe, bei der diese vermehrt an Funktionen festgemacht wurden. 

Schlussfolgerung: Die Ergebnisse legen nahe, dass auch ein mehrtägiges AOT eine sinnvolle Ergänzung zum Reha-Programm bei subakuten Schlaganfallpatienten und -patientinnen darstellen könnte. Um eine motivierende Vorgehensweise zu gewährleisten, sollte das AOT individuell an die Rehaziele der einzelnen Person angepasst werden.

Einschränkungen: Eine Einschränkung dieser Studie liegt in der geringen Stichprobengröße, dem Fehlen einer Kontrollgruppe sowie der niedrigen internen Konsistenz der SRMS, bei der zudem ein Deckeneffekt festgestellt wurde.

Schlüsselworte: Motivation, Schlaganfall, Handlungsbeobachtungstraining, Gehfähigkeit 
 

Fachbereich
Fachbereich Gesundheit & Psychologie
ErstgutachterIn
Dr. Claudia Berger