Von der Bachelorstudie zur Fachpublikation: Luisa Barr untersucht smartphonegestützte Wirbelsäulenanalyse

Die Physiotherapie-Studentin Luisa Barr hat gemeinsam mit den DIPLOMA-Lehrenden Prof. Dr. Robert Schleip und Prof. Dr. Christoph Egner sowie weiteren Forschenden eine wissenschaftliche Originalarbeit im internationalen Journal of Back and Musculoskeletal Rehabilitation veröffentlicht.

An der Publikation wirkten neben Luisa Barr und den beiden Professoren auch DIPLOMA-Dozent Dr. Dr. Andreas Brandl sowie Dr. Lea Overmann, Prof. Dr. Werner Klingler und Prof. Dr. Marcus Müller mit. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht TricuroGo, ein mobiles, smartphonegestütztes Verfahren zur Analyse von Haltung und Beweglichkeit der Wirbelsäule. Die Arbeit liefert die erste unabhängige Validierungsstudie für das System.

Für die Studie wurden 93 Erwachsene untersucht. Das mobile TricuroGo-System wurde mit dem etablierten computergestützten Wirbelsäulenmessgerät Idiag M360 sowie dem physiotherapeutischen Bewegungs-Screening SFMA verglichen. Erfasst wurden Haltung, Beugung, Streckung und Stabilität im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule sowie des Beckens. Alle drei Untersuchungsverfahren kamen am selben Tag zum Einsatz; die Reihenfolge wurde für die Teilnehmenden randomisiert.

Gute Übereinstimmung bei Haltung und Beweglichkeit

Die Ergebnisse zeigen insbesondere bei der Erfassung der aufrechten Haltung sowie der Beuge- und Streckbeweglichkeit deutliche bis starke Zusammenhänge zwischen TricuroGo und dem etablierten Referenzgerät. Bei den statistischen Übereinstimmungsanalysen lagen 92 bis 96 Prozent der Messwerte innerhalb der erwarteten Grenzen. Das smartphonegestützte System könnte damit eine Möglichkeit bieten, Haltung und Beweglichkeit der Wirbelsäule objektiv, mobil und ohne Strahlenbelastung zu erfassen.

Bei der Beurteilung der Stabilität ergab sich hingegen ein differenzierteres Bild: Hier waren die Zusammenhänge zwischen den Verfahren schwächer. Eine mögliche Erklärung liegt in den unterschiedlichen Messansätzen. Während TricuroGo beim Matthias-Test vorwiegend die statische Haltefähigkeit des Rumpfes erfasst, beziehen funktionelle Tests wie der Einbeinstand zusätzlich Gleichgewicht und die Kontrolle der unteren Extremitäten ein. Für eine umfassende physiotherapeutische Beurteilung empfiehlt sich daher weiterhin, digitale Messungen durch funktionelle Bewegungstests zu ergänzen.

Bachelorarbeit mit internationaler Sichtbarkeit

Prof. Dr. Robert Schleip würdigt insbesondere die Forschungsleistung der Studentin:

Mich freut besonders, dass aus einer physiotherapeutischen Bachelorstudie eine international sichtbare Originalarbeit hervorgegangen ist. Luisa Barr hat eine ausgesprochen praxisnahe Fragestellung mit einem methodisch anspruchsvollen Vergleich untersucht. Solche Arbeiten zeigen, dass Studierende an der DIPLOMA Hochschule nicht nur wissenschaftliches Denken erlernen, sondern bereits während ihres Studiums aktiv neues Wissen schaffen können, das unmittelbar für die therapeutische Praxis relevant ist.

Für Luisa Barr führte die wissenschaftliche Arbeit damit von einer konkreten Fragestellung im Bachelorstudium bis zur Veröffentlichung in einer internationalen Fachzeitschrift. Zugleich zeigt das Projekt, welches Potenzial studentische Forschung entfalten kann, wenn praxisbezogene Fragestellungen mit wissenschaftlichen Methoden systematisch untersucht werden.
 

Die Originalpublikation ist unter folgendem Link zu finden:
Validity of a smartphone-based spinal assessment tool (TricuroGo) against idiag M360 and selective functional movement assessment (SFMA) in evaluating sagittal posture, mobility, and stability - Lea Overmann, Robert Schleip, Luisa Barr, Christoph Egner, Werner Klingler, Marcus Müller, Andreas Brandl, 2026