Im Journal of Developmental and Physical Disabilities wurde eine neue Studie mit Beteiligung der DIPLOMA-Studentinnen Marina Siebert und Maike Emmrich veröffentlicht. Betreut wurde das Projekt von Studiendekan Prof. Dr. Christoph Egner.
Abstract (Übersetzung)
Autistische Kinder und Jugendliche stoßen bei der Teilnahme an gruppenbasierten Bewegungsangeboten häufig auf soziale, sensorische und umweltbezogene Barrieren. Die vorliegende Studie untersuchte die Machbarkeit, die Sicherheit und die teilhabebezogenen Prozesse eines gemeinschaftsbasierten, inklusiven Bewegungsprogramms in Deutschland, das anstelle eines wettkampforientierten Spielbetriebs adaptierte, aus dem Rugby abgeleitete Übungsformen einsetzte. Das Programm wurde in einem Tandemmodell aus Trainer:in und Ergotherapeut:in durchgeführt. Ziel war es, Aufgabenanforderungen zu individualisieren, die sensorische Belastung zu regulieren und Teilhabe unmittelbar im Trainingsgeschehen zu unterstützen. Im Zeitraum von Dezember 2022 bis Juni 2025 wurden 12 autistische Teilnehmende aufgenommen, von denen 10 vollständige längsschnittliche Teilnahmedaten lieferten. Über den Evaluationszeitraum hinweg fanden 116 wöchentliche Trainingseinheiten statt.
Im Rahmen eines praxisbasierten Mixed-Methods-Machbarkeitsdesigns wurden folgende Quellen zusammengeführt: Elterninterviews, frühe Dokumentationen aus Abschlussarbeiten und aus der Praxis, informelles Feedback der Teilnehmenden, Teamreflexionen sowie ein prospektiv geführtes Vorfallsprotokoll. Die deskriptive Synthese deutete auf Verbesserungen in den Bereichen soziale Initiative, Kooperation, Selbstvertrauen und Regulation während der Trainingseinheiten hin, und zwar innerhalb eines dauerhaft bestehenden Gruppensettings. Die qualitativen Befunde weisen darauf hin, dass vorhersehbare Abläufe, abgestufter Körperkontakt und eine vertrauensbasierte Interaktion im Team als förderlich wahrgenommen wurden. Das betraf das Engagement, die kontinuierliche Teilnahme und eine bedeutsame Teilhabe. Darüber hinaus beschrieben die Eltern wahrgenommene Veränderungen über das Trainingssetting hinaus, darunter eine größere Offenheit für soziale Interaktion und eine verbesserte Selbstregulation im Alltag. Unerwünschte Ereignisse wurden nicht dokumentiert.
Die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu interpretieren. Gründe dafür sind die kleine Stichprobe und die fehlende Kontrollgruppe. Hinzu kommen die nicht validierte praxisbasierte Dokumentation, die fehlende formale Prüfung der Interrater-Reliabilität und das Fehlen standardisierter Instrumente, mit denen die Akzeptanz direkt bei den Kindern und Jugendlichen erfasst wird. Dennoch liefert die Studie auf Praxis fußende Evidenz dafür, dass ein strukturiertes, gemeinschaftsbasiertes Programm für autistische Kinder und Jugendliche eine machbare, sichere und teilhabefördernde Option darstellen kann.
Die vollständige Studie findet sich als downloadbares Dokument im Anhang.